The Female Voice of Iran

Im Iran ist es Sängerinnen nicht erlaubt öffentlich aufzutreten. Dennoch gibt es viele Frauen, die täglich zeigen, welches Potenzial Musik und Kunst besitzt und dieses kreativ im Umgang mit den politischen Widrigkeiten einsetzen.  Der Dokumentarfilm „The Female Voice of Iran” erzählt die Geschichten von 11 Sängerinnen, die den gemeinsamen Wunsch haben: „Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird”.

Vom Festival zum Film

Die Idee zum Film entstand durch das Festival „Voice of Iran”, welches 2017 und 2018 in Berlin stattfand und Sängerinnen aus dem Iran eine musikalische Bühne bot. Doch das war den beiden Festivalorganisator*innen Yalda Yazdani und Andreas Rocholl nicht genug,  denn sie wollten einen umfassenderen Einblick in das Leben der Frauen ermöglichen. Iran ist zudem ein riesiges Land, ein Vielvölkerstaat mit unterschiedlichen Sprachen, Musikkulturen und Lebensrealitäten. „Diese einzigartige Vielfältigkeit in einem Film darzustellen und damit Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen”, lag Yalda besonders am Herzen. Gemeinsam mit dem Filmemacher Sebastian Leitner haben sie einen emotional erzählten Dokumentarfilm geschaffen, der 2020 Premiere feierte.

Die Auswahl der Sängerinnen

Im Film werden talentierte Frauen präsentiert, für die Musik allgegenwärtig ist und sie im Alltag begleitet. Trotz der Zensur sind einige der Sängerinnen bekannt und haben sich über Social Media Plattformen wie Instagram eine kleine Fangemeinde aufgebaut. Andere geben Musikunterricht und inspirieren dadurch ihr direktes Umfeld. „Was bewegt diese Frauen trotz allem zu singen und ihre Werke auszustellen? ” haben sich die Filmemachenden immer wieder gefragt und die Antwort auf ihrer Reise durch den Iran gefunden: Es ist der Glaube an die Kraft der Musik.

Gemeinsam Träumen

Eingeladen von einem magischen Wesen versammeln sich die weibliche Stimmen aus dem ganzen Land, um ihren Traum zu verwirklichen. Was sich anhört wie ein Märchen, wird im Film „The Female Voice of Iran” zur gelebten Realität.

„Als Ermutigung für die Reise hat Yalda mir ein kleines Kamel geschenkt, mehr als Symbol, als Freundschaftszeichen. Und dieses Kamel hat sich verselbstständigt, in Teile unserer Arbeit hinein und wurde zur Geschichtenerzählerin einer Reise, einer Symbolfigur. Dieses kleine Kamel führt uns durch diesen riesengroßen Staat mit so vielen einzelnen Geschichten, aber wir bleiben immer bei den Menschen. ”, erzählt Thomas Rocholl.

Für Rocholl, der sein ganzes Leben professionell Musik gemacht hat, sind im Iran neue Türen aufgegangen: „Nicht die Beschäftigung mit Theorien und Thesen, nicht das Reflektieren von Ideen, ist was das Leben ausmacht, sondern die Beziehung zwischen Menschen, die gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse. ”

Voneinander lernen

Der Film „The Female Voice of Iran” gibt frische Impulse über das eigene Leben und die Arbeit nachzudenken. Er zeigt, die vielen positive Aspekte, welche Menschen motiviert, verbindet und kreativ macht, ihrer Leidenschaft nachzugehen.  Das Titelstück zum Film ist eine Gruppenkomposition. „Ilkbahar”, welches eigentlich aus Aserbaidschan kommt, wurde gemeinsam mit Sängerinnen aus Teheran sowie Berliner Musiker*innen neu interpretiert. „Durch das gegenseitige Zuhören und der Öffnung auf allen Seiten, gelingt eine magische Fusion.”, erklärt Yalda Yazdani.

Für die Zukunft

Iran ist das einzige Land, welches durch die vereinigten Staaten aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen ist. Dort gibt es viele Wege der Kulturförderung nicht. Es daher besonders wichtig, Frauen eine künstlerische Plattform zu bieten wie mit dem Film oder dem Musikfestival. „Der Austausch und die Zusammenarbeit lösen hier kreative Impulse aus. Das ist ein Thema der Förderung, die uns letztendlich selbst gut tut.”, betont Thomas Rocholl.

Wer sich von der kreativen Zusammenarbeit überzeugen möchte, sollte sich „The Female Voice of Iran”  anschauen. Oder um es mit den Worten der Geschichtenerzählerin aus dem Film zu sagen: „Wir haben so viel, was wir mit euch teilen können. Seid ihr bereit diese Chance anzunehmen?”

Der Dokumentarfilm „The Female Voice of Iran” von Yalda Yazdani, Andreas Rocholl und Sebastian Leitner erschien 2020 und kann kostenlos auf Youtube angesehen werden.

Yalda Yazdani ist eine in Berlin lebende iranische Musikethnologin, Musikerin und Kuratorin des Festivals „Female Voice of Iran”, welches mit zwei Ausgaben in den Jahren 2017 und 2018 stattfand.

Andreas Rochholl ist künstlerischer Leiter des Festivals „Female Voice  of Iran”, Produzent, Filmemacher und Theater-Opern- Direktor der zeitgenössischen Oper Berlin.

Sebastian Leitner ist ein aus Österreich stammender, seit einigen Jahren in Berlin lebender Filmproduzent, Editor und Cutter, der sich auf Musikfilmproduktionen spezialisiert hat.