Flying to Persia mit Rouzbeh Asgarian

Bitte checken Sie ein und halten Sie ihr Flugticket bereit, das Boarding beginnt in wenigen Minuten. Unser Kapitän, Jazzgitarrist Rouzbeh Asgarian nimmt uns mit auf seine musikalische Reise.  

Wir starten in Rouzbehs Kindheit in Teheran.

„Mein Vater war Regisseur und Drehbuchautor. Ich war als kleiner Junge immer mit an den Filmsets und bei den Theaterproduktionen. Babak Bayat, einer der größten Musikkomponisten der iranischen Filmgeschichte hat den Soundtrack für den letzten Film meines Vaters komponiert. Ich weiß noch genau wie wir bei ihm zu Hause waren. Ich saß auf dem Schoß von meinem Vater und Babak hat die Filmmusik auf seinem Klavier gespielt. Das hat mich sehr beeindruckt… Als ich fünf Jahre alt war, kam dann das Album „Thriller” von Michael Jackson heraus. Ich war total begeistert. Dieser Beat bewegt dich einfach. Ich konnte wirklich jeden Tanzschritt, den Michael Jackson gemacht hat.”

Plötzlich zieht sich der Himmel zu und es treten Turbulenzen auf.

„Als ich sieben Jahren alt war, sind wir nach Deutschland gekommen, die Platte von Michael Jackson hatte ich mit im Gepäck. Ein paar Jahre später habe ich mir eine Gitarre gewünscht. Das war der Beginn einer großen Liebe.”

Warum die Gitarre? Woher wusstest du, dass sie „die Richtige” ist?

„Ich weiß es nicht, mich haben Gitarren einfach fasziniert. Da ließ dann auch die Michael Jackson-Phase nach. Ich habe aufgehört zu tanzen und Guns n’ Roses wurden zu einen von meinen größten Vorbilder. Durch das Lernen der Gitarre habe ich mehr über die Grundlage des Musikmachens erfahren, zum Beispiel wie Melodie und Harmonie funktioniert. So habe ich dann meine erste Band gegründet, für die ich auch eigene Rockkompositionen geschrieben habe.”

Ein nostalgischer Blick zurück und dann volle Kraft voraus in unbekannte Gefilde.

„Meine Eltern haben immer persische Musik gehört, alte traditionelle Musik von Banan, Delkash oder Marzie zum Beispiel. Die Melodien habe ich natürlich mitgehört. Sie haben mich sehr geprägt. Das sind sehr gefühlvolle, sehr leidende Melodien. Ich wollte aber meine eigene Musik machen, meinen eigenen Sound erschaffen.

Als Jugendlicher war ich dann zufällig bei einem Jazzworkshop. Ich hatte keine Ahnung von Jazz und habe gesehen, dass die Leute mit ihrer Gitarre etwas erzählen. Die spielten da so als würden sie reden. Ich wusste, wenn ich das kann, dann lerne ich auch wie ich die ganzen Musikrichtungen verbinde, die mich durch mein Leben begleiten. So wurde der Gitarrist und Sänger George Benson zu einem weiteren großen Vorbild für mich und ich habe dann auch Jazz studiert.”

Alles verbindet sich miteinander: Flying to Persia.

„Ich habe im Laufe der Jahre zwei Jazzplatten (2011, „Waiting” und 2014, „In Between”) herausgebracht, war viel auf Tour und nach und nach hat sich das Album „Flying To Persia” entwickelt, mit treibender Rhythmik, Rockelementen, Jazzinstrumenten, persischen Melodien und den ganzen Einflüssen, die mich geprägt haben. 10 Jahre habe ich insgesamt daran gearbeitet bis ich es 2018 veröffentlicht habe und jetzt Konzerte damit spiele.”

Angekommen im Jetzt.

Warum „Flying to Persia”? Wann bist du das letzte Mal in den Iran geflogen?

„Ich bin noch nie in den Iran geflogen. Bisher bin ich nur ausgereist als ich den Iran in meiner Kindheit verlassen habe. Der Albumtitel ist daher reine Sehnsucht! Ich habe aber einen sehr starken musikalischen Bezug zum Iran…

Um die Musik anderer Kulturen zu verstehen, musst du sie fühlen. Du kannst dafür zum Beispiel in den Iran fliegen, du kannst sie aber auch hören und verstehen. Das ist so wie eine Sprache zu lernen. Manche Menschen lernen eine Sprache besser, wenn sie in das Land gehen, aber manche waren noch nie da und können auch sehr gut sprechen.”

Aber ist das nicht eine andere Art des Sprechens, wenn du auch in dem Land bist? Da lernst du zum Beispiel die alltägliche Sprache der Menschen…

„Wenn du eine Sprache gar nicht kennst, dann macht es wahrscheinlich einen Unterschied. Aber ich kenne sie ja: Die persische Sprache und die Musik. Viele Lieder haben sehr poetische Texte. Die persische Poesie verbindet sich sehr gut mit der Musik. Und wie gesagt, mein musikalischer Bezug zum Iran ist sehr stark. Ich kenne sehr viele iranische Musiker, die in den verschiedensten Musikbereichen tätig sind. Das liegt auch daran, dass ich selbst ein vielseitiger Gitarrist bin und mich über alle Genres hinweg bewege. So war ich unter anderem auch jahrelang mit dem iranischen Popstar Mansour auf Tournee, so ziemlich überall in Europa, in Los Angeles, Las Vegas, New York, Armenien, Aserbaidschan, Tadschikistan, Dubai, Kanada… Ich habe auch Konzerte mit Sattar, Afshin und Ebi gespielt und war 2020 eine Zeit lang in London um für eine Fernseh-Show beim Sender Manoto. ”

Obwohl du selbst nicht mehr im Iran warst, fühlst du dich dennoch sehr verwurzelt…

Ja, ich habe mich immer dafür interessiert und ich bin stolz darauf, Iraner zu sein.

Hat dir das Türen geöffnet oder gab es auch Barrieren?

Es gibt natürlich immer Menschen, die versuchen, Türen zu schließen, aber die Menschen, die ich kennengelernt habe und meine Einstellung dazu war auch immer, dass es mir Türen öffnet. Ich habe sehr davon profitiert, mich in beiden Kulturen zuhause zu fühlen.

Ist es wichtig, eine Plattform wie IRAN NOW zu haben?

Sehr viele Menschen haben eine falsche Vorstellung über Iran und wissen überhaupt nichts über die Kultur und die Menschen. Als Musiker bin ich viel herumgekommen und habe mich mit einigen unterhalten. Ich glaube es ist wichtig, dass Menschen nicht nur auf ihre eigenen Kultur fixiert sind, sondern auch auf andere Kulturen schauen und erfahren wie diese wirklich sind. Das ist wichtig für das Zusammenleben, denn die Welt wächst immer mehr zusammen.

Wie geht deine Reise in Zukunft weiter?

Ich komponiere zur Zeit einige Stücke. Es schwebt mir vor, eine Soloplatte zu machen, einfach nur mit Gitarre. Während der Corona-Pandemie habe ich viel alleine gespielt und da haben sich gute Ideen entwickelt.

Und dann habe ich noch einen Traum: Ich möchte irgendwann wirklich in den Iran fliegen!

Wenn es soweit ist, fliegen wir gerne mit lieber Rouzbeh!

Rouzbeh Asgarian ist ein deutsch-iranischer Musiker, Komponist und Musikproduzent. Er studierte Jazz am Conservatorium Maastricht und lebt seither wieder in Köln. Der Sound seiner Rouzbeh Asgarian Band verknüpft Jazzelemente mit melancholischen persischen Melodien, Rock und Groove. Als internationaler Gitarrist tourte Rouzbeh unter anderem mit dem persischen Popstar Mansour durch die ganze Welt.

Bild: © Ludger Staudinger